Pfotenwege #5 - „Charly hat mir die Augen geöffnet!“
- Sarah

- 15. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Das Leben eines Hundes einer Qualzucht!

Vorwort
Jeden Tag werden Tierärzte in Praxen und Kliniken sowie Therapeuten mit den Folgen bestimmter Zuchtmerkmale konfrontiert. Wasserköpfe, Atemprobleme, Bandscheibenvorfälle, Hautprobleme, etc.
Dennoch wird die Diskussion um Qualzuchten so geführt, als handele es sich um verschiedene Meinungen! Die gesundheitlichen Auswirkungen sind keine Ansichtssache! Sie sind dokumentiert, untersucht und für die betroffenen Hunde (und Katzen, Kaninchen, usw.) jeden Tag schmerzhaft spürbar!
Absolut irritierend ist der Widerspruch zwischen medizinischem Wissen von Tierärzten und andererseits Zuchtliebhabern. In den Kliniken und Praxen kämpft man täglich um deren Leben. Und andere behaupten, bestimmte Merkmale sind typisch und harmlos und sogar wünschenswert.
Es ist katastrophal. Um jedes Tier.
Und dann noch das:
Noch immer orientieren sich Menschen bei der Wahl eines Hundes am Aussehen und Trends. Erst wenn der Hund Teil der Familie ist, wird das Ausmaß an Erkrankungen sichtbar. Oder man verschließt die Augen und hört auf Züchter und gleichgesinnte „Liebhaber“! Oder verharmlost alles. "Der hat ja schon eine längere Nase." (NEIN, hat er nicht!). "Er hat einen geraden Rücken." (NEIN, der Rücken fällt stark ab!)
Spätestens wenn beim Tierarzt die ersten aufklärenden Sätze fallen, wird weiter kräftig verteidigt oder man wacht auf. Versteht mich nicht falsch - jedes Tier auf dieser Welt hat die bestmögliche Behandlung und Liebe verdient, ohne Frage! Aber es muss irgendwann durch die Aufklärung in die Köpfe der Menschen , dass die Gesundheit der Tiere das oberste Wohl darstellen MUSS.
Eines sollte jeder wissen:
Nur weil gesagt wird: "rassebedingt", "genetischbedingt", "rassetypisch", bedeutet das nicht, dass etwas normal ist! Im Gegenteil. Im Kontext mit Qualzuchten ist es nicht normal, sondern einfach nur Qual für diese Tiere.
Was für eine Tragik!!! Leidtragende sind in erste Linie die Tiere. Aber natürlich auch die Menschen. Finanziell und emotional kommen hier viele sehr schnell an ihre Grenzen. Und nicht selten werden die Tiere dann Wanderpokale. Weil auch das tragische Phänomen, sich ein Tier über Kleinanzeigen anzuschaffen, gibts immernoch.
Schmerzliche Erkenntnisse
Die meisten lieben ihre Tiere. Und dieser Beitrag ist kein Vorwurf. Es ist Aufklärung! Und echte Tierliebe bedeutet hinzusehen, zuzuhören, um zukünftig andere Entscheidungen zu treffen!
Deshalb möchten wir euch heute die Geschichte von Charly erzählen. Ich danke der Besitzerin von Herzen für ihre Offenheit und ihre tägliche Aufklärung.
"Magst du Charly kurz vorstellen?"
"Bevor ich beginne, möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meiner Schwester bedanken. Für sie war Charly genauso ihr Baby wie für mich, und ohne ihre Unterstützung wäre vieles nicht möglich gewesen. Sie stand zu jeder Zeit an unserer Seite, hat uns begleitet und war ein unverzichtbarer Teil von Charlys Leben. Ihre Liebe und ihr Einsatz haben uns durch viele schwierige Momente getragen. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar.
Unser Charly war eine liebevolle französische Bulldogge und für uns ein wahrer Seelenhund. Er war unser Herz und unser Leben, seine besondere Art hat uns stets begleitet. Charly kam im September 2015 im Alter von 15 Monaten über eine Anzeige bei „Kleinanzeigen“ zu uns und hat uns bis September 2025 begleitet."
"Warum hast du dich für ihn entschieden und wie war deine Idee vom Zusammenleben?"
"Die sogenannten „Knautschnasen“ empfand ich damals als besonders süß, und die Lebensumstände haben es ermöglicht, einen Hund aufzunehmen. Die Entscheidung fiel bewusst darauf, keinen Welpen, sondern einen Hund zu adoptieren, der ein neues Zuhause sucht. Konkrete Vorstellungen zum Zusammenleben bestanden zu diesem Zeitpunkt nicht. Vielmehr war der Wunsch ausschlaggebend, einen treuen Begleiter an meiner Seite zu haben und ihm ein liebevolles Zuhause zu bieten."
"Was wusstest du über die Rasse?"
"Zu Beginn hatte ich keinerlei Vorstellung von den spezifischen Problemen der französischen Bulldoggen und war mit den gesundheitlichen Risiken dieser Rasse nicht vertraut."
"Gab es einen Schlüsselmoment, der dir die Augen öffnete,
was hinter den Knautschnasen steckt?"
"Es gab keinen besonderen Schlüsselmoment. Vielmehr begannen die gesundheitlichen Probleme schleichend und zogen sich durch Charlys gesamtes Leben."
"Welche gesundheitlichen Herausforderungen haben
Charly und euch begleitet?"
"Charly litt unter missgebildeten Ellenbogen, Bandscheibenvorfällen, der sehr kurzen Nase, diversen Allergien, Problemen mit der Analdrüse sowie Entzündungen der Gesichtsfalten.
Treppensteigen und Springen waren für ihn nicht möglich. Die permanente Sorge um sein Wohl war unser ständiger Begleiter. Unsere Unsicherheit übertrug sich dann auf Charly, was ihn auch draußen unsicher machte und Hundekontakte einschränkte."
"Wir haben ihn stets verwöhnt, um ihm sein schweres Leben so angenehm wie möglich zu gestalten."
"Ihr hattet einige Klinikaufenthalte und Tierarztbesuche.
Möchtest du darüber berichten?"
"Im Mai 2016 erfolgte eine Ellenbogengelenksoperation mit Schrauben und Platten in der Tierklinik, gefolgt von regelmäßigen Verbandswechseln und gezieltem Training, damit Charly wieder laufen konnte.
Im August 2017, mit gerade mal 3 Jahren, musste Charly aufgrund eines Bandscheibenvorfalls erneut operiert werden, mit anschließender Bettruhe, gefolgt von Physiotherapie und Unterwasserlaufband. Während dieser Zeit kam es zu einer Blasenentzündung, die ebenfalls klinisch behandelt werden musste.
Mitte 2018 folgte ein weiterer Bandscheibenvorfall, der mit Schmerzmitteln und Physiotherapie therapiert wurde.
Insgesamt war Charlys Leben von regelmäßiger Physiotherapie und anderen Behandlungen geprägt. Hinzu kamen Lebensmittelallergien, die beispielsweise zu Hefepilzen an den Pfoten führten."
"Der zeitliche und organisatorische Aufwand war erheblich und ohne Unterstützung kaum zu bewältigen. Die Sorge um Charly war unser ständiger Wegbegleiter."
"Warum engagierst du dich heutzutage für Aufklärung?
"Es ist uns eine Herzensangelegenheit, über die gesundlheitlichen Probleme der Qualzuchten aufzuklären, da die Hunde es einfach verdienen. Die Aufklärung ist nach wie vor unzureichend und viele Menschen sind sich der Leiden dieser Rassen nicht bewusst. Es ist wichtig, transparent zu machen, was es bedeutet, sich für eine solche Rasse zu entscheiden: hohe Kosten, enormer Zeitaufwand und die Notwendigkeit umfassender Absicherung.
Wir plädieren dafür, keine Züchtungen mehr zu unterstützen und, wenn überhaupt, bestimmte Rassen nur noch aus dem Tierschutz zu retten und ihnen ein Zuhause zu schenken. Nur so kann das Leid von Qualzuchten langfristig beendet werden."
"Was möchtest du Menschen sagen, die sich ein Lebewesen
aus einer Qualzucht anschaffen wollen?"
"Vor der Anschaffung eines Hundes, insbesondere einer Qualzucht, sollte man sich ausführlich informieren, was auf einen zukommen kann. Es ist mit enormem Zeit- und Kostenaufwand verbunden und ein Hund ist kein Objekt, das man einfach wieder abgibt, wenn es nicht passt. Die Entscheidung muss wohlüberlegt sein, und es sollte stets das Wohl des Tieres im Vordergrund stehen."
Von Herzen ein riesiges Dankeschön für deinen Einblick in euer Leben mit Charly.
Ich weiß, dass ihr ihn sehr geliebt habt und immer noch liebt.
Ich bin froh, dass er bei Menschen wie euch sein Leben
in vollster Fürsorge und Liebe leben konnte.
Apell
Wer sich einen Hund (wieder) anschaffen möchte, trägt Verantwortung für ein Lebewesen, welches dieser Welt völlig ausgeliefert ist. Die Entscheidung darf niemals nach Aussehen und Trends getroffen werden.
Die Gesundheit und Wohlergehen des Tieres müssen immer an erster Stelle stehen.
Und nicht "Die sind sooo süß!".
Bitte informiere dich!
Welcher Hund passt zu mir und meinem Leben und woher sollte er kommen? Gibt es Erkrankungsbilder, die bekannt sind? Bitte erinnere dich dabei, das "typisch" nicht "in Ordnung" bedeutet. Es sind Erkrankungen, die nichts mit einem gesunden Hund zu tun haben.
Es lohnt sich, unabhängiges Fachpersonal wie Tierärzte und Tiertherapeuten zu befragen. Sie werden tägich mit den Folgen bestimmter Zuchtmerkmale konfrontiert.
Besonders wichtig ist es auch, die Augen nicht vor Problemen zu verschließen. Fehlbildungen und körperliche Einschränkungen sind nicht süß! Und normal schon gar nicht. Die Nachfrage bestimmt das Angebot, und mit dem "Kindchenschema" wird bei vielen Rassen richtig Geld gemacht. Denkt darüber genau nach!
Zu guter Letzt...
Bitte kauft keine Tiere übers Internet! Die Zeiten sollten längst vorbei sein. Leider ist auch dies bei den wenigsten Menschen angekommen. Die Erfahrungen meiner Umwelt in den letzten 3 Jahren zeigten keinen einzigen gesunden Hund. Vermehrer, Ups-Würfe, Hunde, die weg sollten - All das zum Leid der Tiere. Und dabei geht es um ALLE Hunde jeglicher Rassen und Mischlinge. Mensch - Es sind doch Lebewesen!
Alle Tiere haben das Recht auf die bestmöglichen Behandlungen und das tollste, liebevollste Zuhause. Deshalb bin ich natürlich für jeden Hund jeder Rasse und deren Besitzer aus vollstem Herzen da. Die Tiere können nichts dafür, was Menschen aus ihnen gemacht haben.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es Verbote und bessere Gesetze für die Tiere gibt. Und das jeder Einzelne von uns genau über alles nachdenkt, bevor er sich ein Tier anschafft. Nicht nur über bestimmte Rassen, sondern über alle Faktoren zum Leben mit Hund.
Kann ich für dieses Lebewesen zu jeder Zeit
die vollste Verantwortung übernehmen?
Finanziell und zeitlich?
By the way: Tierkrankenversicherungen verweigern nicht OHNE Grund bestimmte Leistungen bestimmter Rassen. Sollte uns das nicht auch grundsätzlich zu denken geben?
Zum Schluss noch ein Gedanke zum Thema "Schmerzen".
Schmerzen werden von vielen Tierhaltern noch immer nicht erkannt. Auch das trägt dazu bei, dass das Leid oft nicht als solches wahrgenommen wird.
"Weil der Hund hat ja keine Schmerzen..."
Wusstest du, dass ein Zusammenkneifen/Blinzeln eines Auges, vermehrtes Schmatzen
oder Knurren Anzeichen für Schmerzen sein können?



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